Nutzererfahrung als SEO Faktor

Daniel Marx

Googles AI RankBrain

Seit einiger Zeit greift auch eine künstliche Intelligenz, Googles RankBrain, in die Sortierung der Suchergebnisse ein. Diese Software lernt vor allem auf Grund des Nutzerverhaltens. Für die verschiedensten Suchintentionen kann die Maschine vorhersagen, was die User – aufgrund früheren Verhaltens – erwarten. Und sortiert die Suchergebnisse nach diesen Erwartungen. Durch RankBrain wird Engagement zu einem der wichtigsten Faktoren. Für die Suchmaschinenoptimierung bedeutet das, dass man sich bei jeder Landing Page noch besser überlegen sollte, was die User sich davon erwarten. Unser Fokus liegt also darauf, den Besuchern ein möglichst positives Nutzererlebnis verschaffen.

Click-through-rate als erstes Signal

Aus SEO Sicht beginnt eine positive Nutzererfahrung bereits mit dem Listing auf der Google Ergebnisseite. Titel und Beschreibung sollen den User dazu bringen auf das Suchergebnis zu klicken und ihm einen Hinweis geben, worum es auf der Zielseite geht. Das Ergebnis muss sich dazu von den anderen abheben, um eine möglichst hohe Klickrate (CTR) zu erlangen. Von AdWords wissen wir, dass sich Google für verschiedenen Positionen bestimmte CTR erwartet. Und auch in der organischen Suche dürfte das eine Rolle spielen. Wenn ein Suchergebnis in Sachen CTR besser performt als von Google erwartet, so darf man von einem positiven Effekt ausgehen. Ist die Klickrate niedriger, als der Wert, den Google für die jeweilige Position errechnet hat, gibt es einen negativen Impuls.

Erstes positives Erlebnis: Ladezeit

Sobald die User auf das Ergebnis geklickt haben geht es um die Nutzererfahrung auf der Seite. Und die beginnt mit der Ladezeit. Besonders auf mobilen Geräten geht es darum, dass eine Seite möglichst schnell lädt. Es gibt Studien, die besagen, dass sobald eine Seite länger als 3 Sekunden braucht um zu laden, ein Dritter der User gleich wieder abspringen. Nach 2 weiteren Sekunden verabschiedet sich das zweite Drittel. Klicken die User dann auf „Zurück“ und kommen nach so kurzer Zeit schon wieder auf die Suchergebnisseite zurück, interpretiert Google das als negative Nutzererfahrung. Zeichnet sich dabei ein generelles Muster ab, so kann es in den Ergebnissen schnell bergab gehen. Eine gute und klare Darstellung auf allen Geräten muss hoffentlich nicht mehr extra erwähnt werden.

Inhalt: Intentionen befriedigen

Schlussendlich geht es natürlich auch um die Inhalte. Finden die User auf der Seite das, was sie sich erwarten? Wird ihre Suchintention befriedigt? Grundsätzlich gilt: Qualität vor Quantität. Nicht 10 Seiten mit mediokerem Inhalt zu verschiedenen Aspekten eines Themas, sondern lieber eine einzige Seite mit wirklich gutem Inhalt, der den unterschiedlichen Usern möglichst viele Fragen beantwortet. Holistischer Content ist hier wieder das Stichwort. Was sich User von einer Seite erwarten kann komplett verschieden sein. User, die nach Trendfrisuren suchen, möchten vielleicht keinen ellenlangen Text über die neusten Trends lesen, sondern lieber eine Bildergalerie oder ein Video mit den neuesten Styles sehen.

User Interaktion beeinflusst die Rankings – Ein Experiment

Wie sich die Interaktion einer kritischen Masse an Usern mit einer Website auswirkt, konnten wir zuletzt bei einem Live-Experiment auf der SMX München sehen. Rand Fishkin bat die Besucher einer Diskussionsrunde im Saal über ihre Geräte eine Suche durchzuführen und auf das Ergebnis auf Platz 8 zu klicken. Anschließend sollten sie kurz auf der Seite bleiben und einige Interaktionen durchführen, um gute Usability-Signale zu hinterlassen. Schon am Ende der Diskussionsrunde zeigte sich, dass das vormals auf Platz 8 gerankte Ergebnis für die Suchanfrage um einige Plätze nach oben gewandert war. Jedoch nur in den mobilen Ergebnissen – hatten die meisten doch über ihre Smartphones am Experiment teilgenommen.

Zukünftige Entwicklung

Ein kürzlich veröffentlichtes Patent geht sogar noch einen Schritt weiter. Die Zufriedenheit mit den gezeigten Ergebnissen soll dabei auch anhand körperlicher Reaktionen der User gemessen werden. Über die Kamera und andere Sensoren sollen Veränderungen bezüglich Körpertemperatur, Blinzeln oder der Pupillenweitung Hinweise auf die Zufriedenheit mit den Ergebnissen geben. Wie das allerdings mit der Privatsphäre der Nutzer zusammengehen soll, steht in den Sternen.