Context wird der neue König

Daniel Marx

Content is King. Das war bisher das Credo des Online-Marketings. Nur durch qualitativ hochwertige und auch relevante Inhalte werden User im Netz erreicht. Nur wer guten Content kreiert, bekommt Traffic, Clicks und Likes für seine Seite(n).
Guter Content bleibt auch weiterhin wichtig, ist aber nicht mehr genug. Dadurch, dass immer mehr Menschen auch mobil im Web sind muss auch der Kontext, die Situation der Nutzung miteinbezogen werden. Es geht darum den guten, relevanten Content zur richtigen Zeit an die richtigen Leute zu liefern.

“Ein Angebot ist beim Einkaufen relevanter, als auf dem Weg zu einer Party”

Der Kontext der Nutzung ändert sich ständig. Der User ist Koch, wenn er sich sein Frühstück macht, dann im Berufsleben ein Manager und abends vor dem Fernseher Fussballfan. Auf dem Weg zur Arbeit surft er vielleicht am Smartphone, in der Arbeit am PC und sitzt abend mit dem Tablet auf dem Sofa beim Fussballschauen. In jeder Situation hat er verschiedene Möglichkeiten und Bedürfnisse. Und die gilt es zu kennen.

User geben genügend Daten preis

Ziel des Context-Ansatzes muss es also sein die Situation in der sich ein User befindet zu rekonstruieren. Dazu sind zahlreiche Daten nötig. Doch die geben User heute relativ freiwilig von sich preis. Mit jedem Klick hinterlassen sie Spuren im Netz. Wenn diese richtig verwendet werden, kann wunderbar der Tagesablauf von Konsumenten rekonstruiert werden.
Wired beschriebt
fünf Bereiche sind relevant für den Kontext: Medium (Smartphone, Tablet, Desktop,…), Ort, Zeit, Social Media Nutzen und zuletzt auch die Identität des Users. Je genauer man die Bereiche kennt, desto effektiver kann man seinen Content an den Mann bringen. Und desto relevanter wird der Content auch für den User. Eine Win-Win-Situation.

Schon heute gibt es Apps die die GPS und WLAN nutzen um anzeigen, was sich in der unmittelbaren Umgebung abspielt, User checken via Foursquare, einem Dienst bei dem man seinen Freuden seinen Standort mitteilt ein und erhalten relevante Infos und Vorteile vor Ort. Und wer von unterwegs einen Tweet sendet, sendet mit dem Tweet auch so viele Meta-Daten, dass sich unzählige Rückschlüsse auf seine Situation ziehen lassen. Der einfachste Weg ist sicher das Location-Marketing, also eben die Nutzung von Orts-Daten wie es etwa mit Foursquare möglich ist. Aber es ist sicher nicht der einzige. Durch die Verknüpfung der Daten lässt sich noch viel mehr anstellen, um Inhalte im richtigen Moment an die User zu bringen. Und um so relevanter die Inhalte für die User, desto mehr und desto genauer beschäftigen sie sich damit.

Inhalte auch strukturell anpassen

Unterschiedliche Inhalte sind also in unterschiedlichen Situationen relevant. Dabei kann das Thema eines Inhaltes durchaus für mehrere verschiedene Situationen relevant sein, die Struktur des Inhaltes kann aber etwa von Gerät zu Gerät verschieden sein. Dabei geht es nicht nur um die Darstellung des Content. Inhaltlich ähnliche Infos sollten auf dem Smartphone vielleicht Häppchenweise serviert werden, auf dem Tablet sind auch längere Texte mögich. Andererseits sind Touchscreens vielleicht auch geeignet um andere Darstellungs- und Interaktionsmöglichkeiten zu bieten als auf einem Notebook oder Desktoprechner.

Je mehr man über den Nutzer weiß, desto besser kann man ihn mit dem bedienen, was er gerade braucht. Deshalb werden vor allem zwei Dinge in Zukunft noch wichtiger werden. Auf der einen Seite Location- und Geotargeting und die Verwertung des riesigen Haufens an Meta-Daten die User von sich preis geben, und auf der anderen Seite die Anpassung des Inhalts auf die verschiedenen Situationen.