Was die neue Facebook Suche für SEO heißt?
Daniel Marx
Vor gut zwei Wochen hat Facebook überraschend ein lange erwartetes Update vorgestellt. Eine neue überarbeitete Suchfunktion, die Graph Search, die nun endlich die bisherige atavistische Suche auf Facebook ablösen soll. Wer Facebook auf Englisch (US) benutzt kann sich hier schon einmal voranmelden, um zu das Feature, das nun in alt bekannter Weise langsam ausgerollt wird möglichst bald zu bekommen.
Web 2.0 wird 3.0
Sieht man sich die Graph Search näher an fallen zwei Sachen als erstes auf. Zum einen wäre da die semantische Suche. Facebook versteht dann, was man mit dem Satz „Fotos die meine Freunde in London gemacht haben“ meint, und liefert genau diese Bilder.
Und zum anderen natürlich das Soziale. Facebook setzt natürlich auch bei der Suche auf die Unmengen persönlicher Daten seiner User, aus denen das Netzwerk besteht. Die Graph Search durchsucht alles was entweder öffentlich oder für das Suchende Profil sichtbar ist. In der jetzt gestarteten Beta-Phase ist die Suche zwar noch auf Personen, Fotos, Interessen und Orte begrenzt, aber konsequenterweise werden alle Daten auf Facebook zur Grundlage der Suche werden. Also Beiträge, Freundschaften, Gruppen, Seiten,… Im Grunde ist die Facebook-Suche deshalb eine interne Suche. Eine sehr personalisierte Suche, die die eigenen Freunde als Filtermechanismen benutzt und nicht einen Page Rank. Der große Angriff auf Google, den sich so mancher erwartet hat blieb also aus. Auch weil die Motivation für die beiden Suchen ganz verschieden sein dürfte.
Allerdings könnte der neue Suchmechanismus Empfehlungsportalen wie yelp oder qype schnell gefährlich werden. Wer will sich den auf Infos und Meinungen von Fremden verlassen, wenn man auch auf Facebook suchen kann, wer aus dem eigenen Freundeskreis schon mal in diesem oder jenem Restaurant eingecheckt hat oder Fotos von da und dort in einem Album erstellt hat.
Auch spezialisierten Netzwerken wie Business-Networks oder Partnerbörsen könnte die neue Suchfunktion gefährlich werden. Wer im Netz auf der Suche nach “Frauen in Wien mit Beziehungsstatus Single, die gerne Sport machen” ist, muss sich nicht unbedingt mehr auf Parship anmelden, sondern kann auch auf Facebook suchen.
Was bedeutet das für SEO?
Schon gibt es natürlich auch Überlegungen aus SEO Sicht, wie man in Zukunft die Graph Search für sich optimieren kann. Schon geistert die sexy Abkürzung FGSO (Facebook Graph Search Optimization) durchs Web. Grundproblem dabei ist aber die 100% personalisierte und individualisierte Suche auf Basis des Freundeskreis.
Aber Facebook selbst gibt aber schon einmal ein paar Tipps für Unternehmens-Seiten: Firmen sollten auf die korrekte Schreibweise von Namen, Adressen, Vanity-URLs und den Infos im About-Bereich achten. Fotos sollten Zusatzinfos wie Ort und Zeit enthalten und auch die Addressen sollten stimmen, da die Graph Search u.a. “local based” sein soll, also räumlich nahe Ergebnisse vorreiht.
Vor allem aber – wie auch bisher – das Wichtigste ist mit seinen Fans zu interagieren. Je mehr Fans und Likes eine Seite hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass jemand anderes auch auf sie stößt. Es geht darum mit den richtigen Personen vernetzt zu sein.
Außerdem werden auch die Graph Search Ergebnisseiten mit Ergebnissen aus dem Web angereichert werden, die wie bisher vom Suchmaschinenpartner-Partner Bing bereitgestellt werden. Allerdings liegt der Fokus darauf Antworten innerhalb von Facebook zu geben. Trotzdem, wenn die neue Suchfunktion intensiv genutzt werden wird – wovon man der riesen Anzahl an Facebook User ausgehen darf, dann wird auch SEO für Microsofts Suchmaschine Bing wichtiger.
Was bedeutet das für Facebook User?
Die neue Suche soll alles finden, was für das suchende Profil sichtbar ist. Das heißt die Privatsphäre-Einstellungen werden noch einmal wichtiger. Sicherheitshalber sollte also jeder überprüfen, wer denn was sehen darf. Denn was mit der Graph Search und legeren Privacy-Einstellungen möglich ist zeigt dieser Blog.
Wer sein Facebookleben vor dem großen Roll-out der Suche gern nach unangenehmen oder peinlichen Kommentaren, Fotos oder Likes durchsuchen will, der kann auf Dienste wie Facewash zurückgreifen.